Forscher der Nippon Medical School in Tokio gehen davon aus, dass bei einem längeren Aufenthalt im Wald die Anzahl der Killerzellen im Blut ansteigen. Dieser Effekt hält ca. sieben Tage an. Die Studie betrachtete die Auswirkungen auf Vitalität, Blutzusammensetzung und Abwehrkraft.

Unabhängig von dieser Studie kam eine amerikanische Studie aus Nashville bei Untersuchung des gesundheitsfördernden Einflusses auf die Probanden zum gleichen Ergebnis. Eine Placebogruppe zeigte ohne Terpene bluttechnisch keine positiven Veränderungen. Holzinhaltsstoffe wie Terpene sollen laut den Forschungsergebnissen die menschliche Abwehr-Aktivität erhöhen. Die Zahl der NK-Zellen und intrazellulären Anti-Krebs-Proteine in Lymphozyten vermehrte sich nach dem Kontakt mit Holzgerüchen. In der gleichen Studie wurde die positive Wirkung der „Waldbadereise“ auf die menschliche Immunabwehr bei weiblichen Probanden untersucht. Phytoncide wie Alpha-Pinen und Beta-Pinen wurden in der Waldluft nachgewiesen. Das Blut der Probanden wurde nach längerem Waldaufenthalt untersucht und die Anzahl der intrazellulären Anti-Krebs-Proteine hatte zugenommen. Phytoncides, die von Bäumen freigesetzt werden, verringerten u.a. den Stress-Hormonspiegel.

Eine Studie der Joanneum Research Forschungsgesellschaft aus dem Jahr 2003 zu dem Einfluss auf Zirbenholz zeigte eine verbesserte Erholungsqualität in Form einer niedrigeren Herzrate bei Belastung und Erholung. Auch die Feldstudie von M. Moser „Schule ohne Stress“ aus 2007 kam zu dem Schluss, dass Massivholz sich positiv auf die Herzfrequenz und dem Vagustonus (medizinischer Parameter, der eine wichtige Rolle beim Schutz des Herzens vor Infarkt und Schädigung spielen soll) auswirkt.

Aktuelle Studien

Eine Humantoxizitätsstudie an der Universitätsklinik Freiburg zu Holzemissionen ergab keine Hinweise auf gesundheitsschädigende Effekte bei der Exposition gegenüber Holz-VOC, weder bei den Gesundheitsparametern wie Lungenfunktion und Entzündungsreaktion noch bei Befindlichkeitsstörungen wie Augenreizungen. Lediglich der Holzgeruch wurde wahrgenommen, aber deutlicher positiv als negativ bewertet. Parallel dazu wurden Studien mit Lungenzellkulturen mit wesentlich höheren Konzentrationen durchgeführt. Auch hier wurden keine gesundheitsrelevanten Effekte für realistische Innenraumkonzentrationen gefunden. Mit ihrer Arbeit konnten diese Forschungseinrichtungen daher zeigen, dass sich medizinische Parameter bei Personen, die sich in Räumen mit hohen Terpenkonzentrationen aufhalten, sehr hoch wahrscheinlich nicht negativ verändern. Damit erscheint als sehr hoch wahrscheinlich, dass der im Allgemeinen als angenehm empfundene Holzgeruch für durchschnittlich Gesunde nicht gesundheitsschädlich ist. Weitere Forschungsergebnisse werden in Kürze erwartet und die Ergebnisse werden wir hier veröffentlichen.

Ist der holzeigene Hausgeruch problematisch?

Bei Kontrollmessungen nach Baufertigstellung stehen Holzemissionen (VOC = Volatile Organic Compound/Flüchtige Organische Verbindung wie Terpene, Aldehyde, Carbonsäuren) oft in der Kritik, weil die vertraglich geschuldeten Zielwerte überschritten werden. Die Bauabnahme wird immer öfter bei Richtwertüberschreitungen verweigert, da die diesbezüglichen Hygienezielwerte vom Umweltbundesamt (VOC Richtwerte l für Terpene) unverständlicherweise äußerst niedrig eingestuft sind. Kommt es zu Geruchsbeanstandungen durch Raumnutzer wird es schwer solche geruchsauffälligen „Mischgerüche“ dem Holzwerk zuzuordnen, da ein Gebäudegeruch ebenso stark vom Nutzer oder von der Raumausstattung inkl. Reinigungs-, Kleb-, Beschichtungs- und Dichtstoffen beeinflusst wird. Ein Rechtsstreit wegen „vermeintlichen Fehlgerüchen“ wird erfahrungsgemäß wegen der schwierigen Beweissicherung und Quellensuche teuer und langwierig.

Die Wahrnehmung von „Fehlgerüchen“

Mögliche Geruchsauffälligkeiten nach Neubezug eines Gebäudes sind nicht ungewöhnlich, es sei denn die Neugerüche bauen sich durch vermehrtes Lüften nicht schnell genug ab. Gerade wegen einer immer perfekter ausgeführten luftdichten Bauweise und einem daher zu geringen natürlichen Frischluftwechsel kann es, wie auch beim Kauf eines Neuwagens, zu einer Geruchsanhäufung und dann zu einer Ablehnung solcher Neugerüche kommen. Üblicherweise akzeptiert der menschliche Geruchssinn eher die für ihn bekannten Gerüche als die unbekannten. Das Immunsystem wird sich in solchen Alltagssituationen erstmal mit den „neuartigen“ Gerüchen auseinandersetzen müssen, ganz egal ob die Geruchsstoffe allgemein als gefährlich oder ungefährlich eingeschätzt werden. Vermutlich können viele ungewohnte Geruchsarten zu einer Gegenreaktion zu Beginn der Kontaktzeit führen und falls eine Gefahr durch den Geruch vermutet wird können sogar Panikreaktionen ausgelöst werden. Des Weiteren führt die ständig zunehmende Allergiebereitschaft in der Bevölkerung dazu, dass immer mehr Menschen zunehmend auf harmlose Umweltstoffe reagieren. Solche Augenreizungen oder Atemwegs- und Schleimhautreaktionen, die man selbst gegen Holzgerüche oder Birkenpollen entwickeln kann, sollten aber zuerst medizinisch abgeklärt werden, bevor man die Bauabnahme verweigert oder einen Rückbau und Schadenersatz fordert.

Schlussfolgerung

Die aktuellen Forschungsergebnisse zeigen, dass noch keine gesundheitsbezogenen Effekte durch natürliche Holzterpene (a-Pinen, d-3-Caren, Limonen etc.) in geringen Raumluftkonzentrationen, die wir über die Atmung in mit Holz gebauten Innenräumen aufnehmen, nachgewiesen werden konnten. Anders verhält es sich mit den konzentrierten Terpenölen, die man während der Verarbeitung oder Herstellung auf die Haut, die Schleimhäute oder in die Augen bekommen kann und dann erwiesenermaßen zu Reizerscheinungen führen können, was dann den NIK (Niedrigst-Interessierte-Konzentration) Wert und MAK (Maximale-Arbeitsplatz-Konzentration) Wert für Terpene für Arbeitsstätten erklärt. Weitere Forschungsreihen sind daher für die luftgetragenen Terpene erforderlich um die sehr niedrig festgelegten Raumluftrichtwerte beispielsweise für die Terpene auf Plausibilität und Belastbarkeit zu überprüfen.

Die vorläufigen Ergebnisse der FNR-Studie "Gesundheitliche Bewertung von Emissionen aus Holz und Holzprodukten in Innenräumen" sind von besonderem Interesse, da sie zu einer kritischen Betrachtung des an Bedeutung gewinnenden AgBB-Schemas beitragen und eine Antwort auf die Frage geben sollen , wie Holz und Holzwerkstoffe bedenkenlos in Innenräumen eingesetzt werden können.


Literaturrecherche:
https://www.focus.de/gesundheit/gesundleben/alternativmedizin/neuer-trend-wald-statt-pille-heilwald-senkt-blutdruck-und-aktiviert-killerzellen-gegen-krebs_id_7041125.html

Mersch-Sundermann, V., Marutzky, R. (2011): Holz – ein gesundheitsverträglicher Baustoff? Holz-Zentralblatt, S. 186

FNR Studie – Gesundheitliche Bewertung von Emissionen aus Holz und Holzprodukten in Innenräumen - Thünen Institut Hamburg, Uni Freiburg, UFZ Leipzig, TU München 2016-2019
Teilvorhaben 5: Untersuchungen zum Einfluss auf das atopische Ekzem im Tiermodell
Teilvorhaben 4: Untersuchung von Holzprodukten sowie Bereitstellung der holztechnologischen Expertise
Teilvorhaben 3: Untersuchungen allergischer und entzündlicher Effekte im Tiermodell
Teilvorhaben 2: Charakterisierung und Bewertung chemosensorischer Effekte von Leitsubstanzen der Emissionen
Teilvorhaben 1: Projektkoordination und humantoxikologische Untersuchungen

Evaluation der Auswirkungen eines Zirbenholzumfeldes auf Kreislauf, Schlaf, Befinden und vegetative Regulation. Hrsg. vom Joanneum Research Forschungsgesellschaft mbH, Institut für Nichtinvasive Diagnostik. Weiz 2003

Schule ohne Stress. Hrsg. vom Joanneum Research Forschungsgesellschaft mbH, Institut für Nichtinvasive Diagnostik. Weiz 2007
Int J Immunopathol Pharmacol. 2007 Apr-Jun; 20 (2 Suppl 2): ​​3-8.

Waldbaden verbessert die natürliche Aktivität von Menschen und die Expression von Antikrebsproteinen.Li Q1, Morimoto K, Nakadai A, Inagaki H, Katsumata M, Shimizu T, Hirata Y, Hirata K, Suzuki H, Miyazaki Y, Kagawa T, Koyama Y, Ohira T, Takayama N, Krensky AM, Kawada T.

Physiological effects of Shinrin-yoku (taking in the atmosphere of the forest) in an old-growth broadleaf forest in Yamagata Prefecture, Japan.
Tsunetsugu Y, Park BJ, Ishii H, Hirano H, Kagawa T, Miyazaki Y.

Physiological and Psychological Effects of a Forest Therapy Program on Middle-Aged Females
Hiroko Ochiai †, Harumi Ikei †, Chorong Song †,Maiko Kobayashi, Takashi Miura, Takahide Kagawa, Qing Li, Shigeyoshi Kumeda, Michiko Imai, and Yoshifumi Miyazaki.

Physiological and psychological effects of walking in stay-in forest therapy.
Park BJ, Tsunetsugu Y, Morikawa T, Kagawa T, Lee J, Ikei H, Song C, Miyazaki Y.

Possibility of clinical applications of forest medicine.
Li Q, Kawada T.

Blood pressure-lowering effect of Shinrin-yoku (Forest bathing): a systematic review and meta-analysis.
Ideno Y, Hayashi K, Abe Y, Ueda K, Iso H, Noda M, Lee JS, Suzuki S.

A forest bathing trip increases human natural killer activity and expression of anti-cancer proteins in female subjects.
Li Q, Morimoto K, Kobayashi M, Inagaki H, Katsumata M, Hirata Y, Hirata K, Shimizu T, Li YJ, Wakayama Y, Kawada T, Ohira T, Takayama N, Kagawa T, Miyazaki Y.

Schreiner, L.; Loos, H. M.; Buettner, A.; "Identification of odorants in wood of Calocedrus decurrens (Torr.) Florin by aroma extract dilution analysis and two-dimensional gas
chromatography–mass spectrometry/olfactometry"; Analytical and Bioanalytical Chemistry; 2017, 1-11.

Bildquellen: Titelbild von Waldemar Bothe